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  • VIETNAM - KULTURFENSTER

  •  Letzte Aktualisierung 15.07.2017 

     

    Bücher und Schriften

    Die VSV verfügt über eine grössere Zahl Bücher und Schriften zu verschiedenen Bereichen des Lebens, der Kultur und der Geschichte Vietnams.

    Interessierte erreichen uns über info@vsv-asv.ch

     


     

    Wassermarionetten

    eine vietnamesische Theatertradition

    WassermarionetteUrsprung und Entstehung

    In Mittelalter pflegte man in Vietnam allen Erscheinungen der Natur Götter zuzuordnen. In diesem System herrschte im Himmel der Jade König, auf der Erde herrschten die "Genies" (lokale Gottheiten, heilige oder Schutzpatrone), und die Bäche und Flüsse hatten ebenfalls ihre eigenen Götter. Auch die Wohnstätten der Menschen werden von den jeweiligen "zuständigen" Göttern betreut: Dorfgenie, Haus- und Hofgenie, Genie der Gasse und Strasse, der Baums usw., ja selbst das Feuer im Herd hatte sein eigenes Genie, Vua Bep (Herrscher der Küche).

    In dieser Zeit war Vietnam tausend Jahre lang unter der Herrschaft der chinesischen Kaiser und musste sich deren Gesetzten unterwerfen. Dieses Gefühl des doppelten Unterworfenseins, einmal unter die Launen der Fremdherrscher, dann den Geistern und Genies ausgeliefert zu sein, hat dazu geführt, dass die jeweilige Lage der Menschen und die Früchte ihrer arbeit stets als Geschenke von oben angesehen wurden. Man musste also stets um die Gnade der unberechenbaren heiligen Wesen bitten. Das ganze Jahr über fanden rituelle Zeremonien statt, um diese Gnade zu erbitten.

    Das Wassermarionetten-Theater ist entstanden als eine dieser Zeremonien, nämlich der jährlichen Feier zugunsten des Dorfgenies, die im Gemeinschaftshaus abgehalten wurde. Dabei wurde ihm die Liste der Glückwünsche der Dorfbewohner überreicht, nicht als individuelle Bitten um persönliches Glück, sondern stets im Namen der ganzen Dorfgemeinschaft. Man erbat den Segen Gottes nicht um einen grossen Gewinn zu machen, sondern nur um das normale, einfache Leben erhalten zu können. Die Zeremonie selbst wurde meist von einfachen Landarbeitern vollzogen, denn nur sie waren bereit, immer wieder in Dreck und Schlamm zu springen, wochenlang im Nassen zu arbeiten um zu proben und die Vorstellung vorzubereiten. Denn das Wassermarionetten-Theater besteht aus zwei Komponenten: einer Marionettenfigur aus Holz (und dem Menschen der sie bedient), und dem Wasser. Die Marionette schwimmt auf dem Wasser, während die Spieler im Wasser sitzen, um sie zu bewegen. Aus diesem Grund konnte diese Theatergattung nur in den Gegenden, in denen Nassreis angebaut wird, entstehen, weil dort die Felder unter Wasser liegen.

    Als Dorfgenie (Titular-Genie des Dorfs) wurde meist eine Person verehrt, die tatsächlich im Dorf gelebt hatte. Das war etwa ein Pionier, der des Dorf an dieser Stelle gegründet oder der eine bestimmte Art von Handwerk im Dorf eingeführt hat, mit dem die Bewohner fortan ihren Lebensunterhalt sichern konnten, oder es war ein berühmter Feldherr oder Wohltäter der Gegend, jedenfalls irgendeine Person, die es aus einem dieser Gründe verdiente, dass man ihr einen Altar errichtete, Dieser Altar befindet sich im Gemeinschaftshaus des Dorfes, einem grossen Gebäude mir Dachfirsten, die wie Säbel nach oben geschwungen sind, das je nach Verwendungszweck einen anderen Namen trug. Es konnte eine Pagode (chua) sein, in der Vuddha verehrt wurde, oder ein Tempel (den), wenn es sich um eine regionale Gorrheit handelte. Manchmal war es auch ein königlicher Sitz ( dien) oder ein Palast, wenn dort Mitglieder der Hofes wohnten oder gelegentlich Quartier machten. Wurde in ihm nur das Dorfgenie verehrt, was meist der Fall war, so wurde des Gemeinschaftshaus "dinh" genannt. Das Haus auf dem Wasser in dem Wassermarionetten-Theater gespielt wurde, hiess thuy dinh (Wassergemeinschaftshaus). Es war sozusagen eine Vermittlungsstelle zwischen dem Dorf und seinem Genie. 

    In dem Dorf Hoang Xa in der Nähe von Hanoi soll es das letzte erhaltene thuy dinh geben. Das gehört zu einem Gebäudekomplex. der zwischen 1117 und 1127 gebaut wurde und auch noch eine Pagode und ein normales Dinh umfasst. Dort so der Bonze Tu Dao Hanh ein Wassermarionetten-Theater gebaut haben. Er gilt seither als Patron der Wassermarionetten- Künstler. Ob gerade an Ort wirklich Theater gespielt wurde, ist angezweifelt worden. Sicher aber ist , dass zu der Zeit diese Theaterform bereis überall eingeführt war. Ein in einen Grabstein gravierter Text in der Nähe der Pagode Doi in Duy Tien, Provinz Ha Nam, lässt keinen Zweifel daran, dass es zur Entstehungszeit dieser (1121, also schon wesentlich früher) schon eine grosse Blütezeit gab.

     


     

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